4.12.09

abschied nehmen

er war lange im krankenhaus, hatte sich wieder aufgerappelt. konnte nach hause. aber dann kam dieser herzinfarkt. seine uhr war doch abgelaufen.
arzt, totenschein - und die forderung der ehefrau: "nein, mitnehmen geht nicht - ich brauche zeit zum abschiednehmen! schliesslich waren wir 52 jahre verheiratet, da braucht es zeit..."

und dann lag der verstorbene im guten anzug noch zwei tage zu hause. gelegenheit für gespräche, tränen, trauer und gefühle rauslassen...

ich habe noch nie gehört, dass in d es möglich wäre, einen verstorbenen noch zu hause zu behalten. aber wenn der grosse wunsch für zeit zum abschiednehmen da ist...?


eine ganz andere situation: sie lag schon einige jahre im wachkoma, bis sich ihr zustand verschlimmerte und sie aus dem altenpflegeheim ins krankenhaus musste. und dann heimging. auf die frage, ob jemand informiert werden solle, winkte der ehemann ab. so waren nur er, ein sohn und einige bekannte aus dem chor, in dem sie früher mitsang am grab. als die betreuerin später erfuhr, dass die verstorbene noch 7 geschwister hatte, verschlug es ihr die sprache. das hätte sie nicht gewusst.

keine möglichkeit zum abschiednehmen - wie schade. jetzt müssen die verwandten irgendwie damit klarkommen, es verarbeiten.

Kommentare:

Nenne hat gesagt…

Meine Großeltern väterlicherseits sind noch von zu Hause aus beerdigt worden. So standen die Särge bis zur Beerdigung offen im Wohnzimmer. Ich konnte als Kind immer wieder hingehen.
Meine Schwester blieb, als sie heimgegangen war noch einen Tag im Kinderbettchen im Wohnzimmer. Da konnten wir auch in Ruhe Abschied nehmen. Wir haben bisher immer von allen unseren Heimgegangenen gut Abschied nehmen können, vorher, als sie noch lebten und auch als sie heimgegangen waren. Das ist ein Geschenk. Die Särge bleiben heute, wenn gewünscht geöffnet, bis zur Beerdigung in den Kammern der Friedhofskapelle.

moni hat gesagt…

ich war noch nicht in der situation, einen so lieben menschen zu verlieren und bin gott auch dankbar dafür.

doch ich habe mal eine reportage darüber gesehen, dass angehörige daheim aufgebahrt wurden.
bis dahin war mir der gedanke daran eher unheimlich. aber nachdem ich mich damit etwas auseinandergesetzt hatte, fand ich es irgendwie tröstlich und schön, so abschied nehmen zu können.

lg und ein schönes wochenende
moni